Das Corona-Virus lässt nicht locker und verunmöglicht das Ausüben von Wettkämpfen in fast allen Sportarten. Schachspieler haben den Vorteil, ihren Sport auch "auf Distanz", nämlich online ausüben zu können. Um diese Alternative auszuprobieren, veranstalteten die Schachfreunde am 24.4.2020 das erste  ONLINE-Trainings-Blitzturnier auf dem Schachserver Lichess. Austragungs-"Ort" auf dem Lichess-Server war die "Unzicker" 1)-Arena.

Erwartungsgemäß lief noch nicht alles rund. Zum einen waren noch technische Hürden zu überwinden. Zum anderen musste man sich an die Bedienung gewöhnen. Der aus dem Schachjargon bekannte "Fingerfehler" (ein Spieler fasst eine Figur an, ohne es eigentlich gewollt zu haben) findet z.B. sein Pendant im sogenannten "mouse-slip", wenn einem die Computermaus nicht wie beabsichtigt gehorcht. Auch "preemtive moves", Züge, die man "vorausführen" kann, bevor der Gegner gezogen hat, haben ihre Tücke, wenn der Gegner nicht so zieht, wie man vorausberechnet hat. Oder man kann keinen Zug ausführen, weil die Frist für den ersten Zug überschritten wurde. Um aufzugeben muss man doppelklicken, einmal genügt nicht. "Bei mir spielen gerade die Figuren ohne mich !!" glaubte ein Teilnehmer, als er als Zuschauer bei einer anderen Partie weilte. Dank des parallel laufenden Chats konnten die Probleme im Team gelöst werden.

Insgesamt waren 12 Spieler mit von der Partie. In den achtzig Minuten Gesamtspielzeit absolvierten die meisten 8 Partien; besonders schnelle brachten es sogar auf 12 Spiele. Insgesamt wurden 56 Partien mit 3.495 Zügen absolviert (der Computer protokolliert alles mit).

Die online-Variante eines Schachturniers hat den Vorteil, dass auch Mitglieder und Gäste, die nicht in Limburgerhof wohnen, am Schachleben teilhaben können. Man vermisst natürlich die Wettkampf-Atmoshäre eines realen Turniersaales und auch die Kommentare und Analysen nach dem Spiel. Aber der Anfang einer "neuen Normalität" (?!) ist gemacht.

Turniersieger wurde Jonas Wortmann, der alle seine 9 Spiele gewann und dabei 32 Punkte erspielte (Gewinnrate 100%). Auf Platz 2 holte Martin Merkel aus 11 Spielen 28 Punkte (82% Gewinnrate) und der im "Bullet-Schach" erfahrene Ken Bratt-Reimann sammelte 22 Punkte aus 12 (!) Spielen (67% Gewinnrate).

 

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1) Wolfgang Unzicker (26 June 1925 – 20 April 2006) war einer der stärksten deutschen Großmeister. Geboren wurde er in Pirmasens. Den Titel "Großmeister" erwarb er 1954.